Die ältesten Häuser

Es ist schon schwer geworden alte Häuser aus der frühen Stadtgeschichte Charlottenburgs zu finden. Noch viel schwerer ist es Reste der dörflichen Baugeschichte der Gründungsorte dieses Bezirks zu finden. In Alt-Wilmersdorf und im Dorf Lützow sind nur noch die Straßenzüge der alten Dörfer zu erkennen. Das Dorf Glienicke war schon verlassen als der Kurfürstendamm noch in Bau war. Es lag südöstlich hinter dem Ku’Damm-Eck.

Schustehrusstraße 13 in Charlottenburg

Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine „Bürgerstelle“ zu bebauen hätte. Dieser Erlass traf auch den Goldschmied Berger. In der damaligen Scharrenstraße errichtete er 1712 ein unterkellertes Fachwerkhaus mit Satteldach. Lang blieb er dort nicht wohnhaft. In der Folgezeit wechselte das Haus unzählige Male den Besitzer. Damit einher gingen auch mannigfaltige bauliche Änderungen, nicht immer zu seinem Besten. Waren die Arbeiten bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein noch halbwegs solide ausgeführt und unbedenklich, so nahmen später unsachgemäße Umbauten überhand. Auch ohne Kriegsschäden (Ausnahme: Die berühmten „Eckmann Festsäle“ wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört) war das Haus derart marode, dass es 1982 von der Bauaufsicht wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden musste. Hals über Kopf verließen die Mieter ihre Bleibe. Nicht zuletzt die Erschütterungen des Straßenverkehrs hatten das Gebäude fundamental in Mitleidenschaft gezogen. Während Historiker und Denkmalschützer in dem Anwesen ein seltenes Zeugnis über Leben und Wohnen in den Jahren der Stadtgründung Charlottenburgs sahen, hatten andere, vor allem die Eigentümer, profanere Interessen. Geplant waren der Abriss des Gebäudes und ein sechsgeschossiger Neubau. Ärgerlicherweise steht das Haus seit 1981 unter Denkmalschutz. Ohne sich davon abhalten zu lassen, organisierte die Eigentümerin, eine private Verwertungsgesellschaft, ausgerechnet zum Heiligen Abend 1983 einen illegalen Abriss. Die vom Baggerlärm aufgeschreckten Anwohner holten die Polizei und verhinderten schlimmeres. Für Fachleute ist die Sache klar: Eine normale Nutzung des Hauses zu Miet- oder Gewerbezwecken kommt wegen der angegriffenen Substanz nicht infrage. Laut Bauordnung gibt es im gesamten Haus keine Räume, die für den dauernden Aufenthalt von Menschen geeignet sind. Ein nicht untypischer Umstand, der in der Berliner Vergangenheit dafür gesorgt hat, dass fast alle Wohnhäuser aus den Charlottenburger Gründungsjahren vom Erdboden verschwunden sind. Damit das Anwesen Schustehrusstraße 13 nicht das gleiche Schicksal erleidet, steht es als Baudenkmal in der Obhut des Bezirkes. Seit 2004 nutzt das Keramik-Museum Berlin das Erdgeschoß als Ausstellungsfläche. Die nicht unter Denkmalschutz fallenden Teile des Grundstückes dienen als Büroräume und Gartenlokal.

Das Schoeler-Schlösschen in Wilmersdorf

Das ursprüngliche Schoeler-Schlösschen entstand nicht unbedingt durch Eigeninitiative baulustiger Bürger. König Friedrich II. entwickelte Mitte des 18. Jahrhunderts einen Plan zur Revitalisierung der seit dem Dreißigjährigen Krieg brachliegenden Gehöfte. Wichtig war dem Monarchen dabei der Anbau von Maulbeerbäumen für die Seidenraupenzucht. Der Prediger Samuel Fuhrmann setzte sich bei der Ausschreibung durch und bebaute 1753 einen wüst darniederliegenden Kosätenhof; ebenerdig, mit einer Wohnfläche von 8,8 mal 16,6 Metern. Bereits 1758 ging das Haus an einen Militärrat, sieben Jahre später für 1200 Taler an den Kaufmann Hesse. Dieser ließ das Anwesen 1765, um ein auffallend hohes Sockelgeschoß erweitern. Auch die Wohnfläche vergrößerte sich. Ob dies durch Erweiterung oder Neubau geschah – darüber streiten die Gelehrten.

Im 18. und 19. Jahrhundert gaben sich die unterschiedlichsten Eigentümer die Klinke in die Hand: Kaufleute, Bankiers, Fabrikanten, Wissenschaftler. Gemeinsam war ihnen, dass sie das Anwesen nur als Sommerresidenz nutzten. Auch so avancierte die repräsentative Villa, nebst großzügiger Parkanlage mit Seezugang, zu einem beliebten Treffpunkt gehobener Stände. Großen Anteil daran hatte der angesehene baltisch-stämmige Augenarzt Heinrich Schoeler (1844-1918), welcher letztendlich dem Anwesen seinen Namen gab. Er erwarb 1893 Haus und Grundstück und nutzte das Anwesen mit seiner Familie  erstmals als ständigen Wohnsitz.

Schoelers Erben verkauften 1921 das Grundstück an den New Yorker Geschäftsmann Erna. Preis: eine Million (Inflations-) Mark. Dieser veräußerte es 1927 mit Gewinn an eine private Verwertungsgesellschaft. 1929 erwarb das Bezirksamt Wilmersdorf das Haus und einen Teil des Parks; nicht zuletzt um es vor dem Abriss zu retten. 1935 erfolgte die Aufstockung um eine Etage – vor allem, um Platz für ein Heimatmuseum und die Hitler-Jugend zu schaffen. Nach dem Kriege wurde, das durch Fliegerbomben nur leicht beschädigte Haus, als Kindertagesstätte genutzt. Damit war 2003 Schluss, als eine unachtsame Mitarbeiterin einen Küchenbrand verursachte. Nach einigem Hin und Her genehmigten die Denkmalschützer (seit 1958 steht das Gebäude unter Denkmalschutz) im Jahre 2007 den Teilabriss der Aufstockung von 1935. Ziel ist ein Rückbau in den Stand der Blütezeit des Gebäudes, um 1900. Geplant sind dann u.a. die Nutzung als Künstlertreff und die Einrichtung der Bibliothek des verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau. Derzeit wird in den Räumen im Parterre ein Café‘ betrieben, es finden Ausstellungen, Vorträge und Aufführungen statt.

http://www.stiftung-denkmalschutz-berlin.de/die-freundeskreise/Schoeler-Schloesschen/

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/schoelerschloesschen.html

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